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Friday, 03 April 2026
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SDEK verlagert Rechenzentrum nach Moskau: Ein logistisches Meisterwerk

SDEK verlagert Rechenzentrum nach Moskau: Ein logistisches Meisterwerk
Ekhbary Editor
2 months ago
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Russland - CNews

Der russische Lieferdienstleister SDEK hat kürzlich einen der größten und komplexesten Rechenzentrumsumzüge (RZ) in der Geschichte Russlands abgeschlossen. Rund 95% der Services wurden physisch von Nowosibirsk nach Moskau verlagert. Dieser 'beispiellose' Umzug umfasste die Migration von etwa 400 miteinander verbundenen Systemen über eine Distanz von 3.000 Kilometern, und das in Echtzeit. Experten sehen darin einen entscheidenden Schritt zur Verbesserung der Servicegeschwindigkeit und Kundenzufriedenheit.

Die Herausforderung bestand darin, Signallaufzeiten zu minimieren, um den laufenden Betrieb nicht zu beeinträchtigen. Ein entscheidender Meilenstein wurde innerhalb von nur 24 Stunden am ersten Tag des neuen Jahres 2026 erreicht, sodass Kunden keine Unterbrechungen bemerkten. Insgesamt wurden rund 500 Systeme migriert, darunter etwa 400 Geschäftsmodule sowie technische und infrastrukturelle Dienste.

Technisch gesehen wurden bis zum 19. Januar 2026 beeindruckende 1,17 Petabyte an Daten übertragen und bereitgestellt. Weitere 0,4 Petabyte, also etwa 10% der verbleibenden Daten, werden noch migriert. Dies erforderte die physische Verlagerung von 238 Hardware-Einheiten, darunter 86 Server, 86 Speicher-Systeme und 69 Netzwerkkonfigurationsgeräte. Mit den geplanten Ergänzungen wird die Gesamtzahl der transportierten Einheiten voraussichtlich 400 erreichen.

Für die Datenübertragung wurden zwei dedizierte Leitungen mit je 20 Gbit/s sowie drei Internetkanäle mit 12 Gbit/s zwischen Nowosibirsk und Moskau genutzt. Zusätzlich wurden 225 Terabyte Daten mittels eines 'Luftkanals' – sprich per Flugzeug – auf Speichermedien transportiert, was eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der größten Datenmengen spielte. Die Logistikexperten von SDEK organisierten den Transport von 300 Terabyte auf physischen Datenträgern per Luftfracht, was maßgeblich zum Erfolg dieses Teilschritts beitrug.

  • Datentransfer: 1,17 PB erfolgreich migriert, weitere 0,4 PB geplant.
  • Hardware: 238 Einheiten (Server, Speicher, Switches) transportiert, insgesamt ca. 400 geplant.
  • Netzwerkanbindung: Dedizierte 20 Gbit/s und 3x 12 Gbit/s Internetkanäle.
  • Lufttransport: 225 TB Daten per Flugzeug ausgeliefert.

Die parallele Ausführung des Betriebs in Nowosibirsk und Moskau führte zu einer Spitzenlast von rund 340.000 Transaktionen pro Sekunde. Nach der Inbetriebnahme der neuen Infrastruktur in Moskau verzeichnet SDEK bereits eine gesteigerte Leistung, wie erwartet. Experten wie Maxim Gorshenin, Mitbegründer der Assoziation '26.20', bezeichnen diesen Umzug als einen der größten öffentlich bekannten Fälle einer RZ-Migration in Russland.

Die Verlagerung bietet mehrere Vorteile. Frühere Engpässe wie veraltete Infrastruktur, Risiko von Verbindungsabbrüchen und geringere Datenübertragungsgeschwindigkeiten in Nowosibirsk werden beseitigt. Die Nähe zu Moskaus Datenzentren ermöglicht schnellere Verbindungen und eine höhere Sicherheit, was sich direkt in schnelleren Anwendungen und potenziell mehr Kunden niederschlagen wird.

Evgeniy Pivovarov von Mons (Teil der KORUS Consulting Group) betont, dass operative und organisatorische Faktoren eine größere Rolle spielten als rein technische Limitierungen am alten Standort. Dazu zählen die schnellere Reaktionsfähigkeit auf Störungen, die Verfügbarkeit hochqualifizierter IT-Fachkräfte, die vorwiegend in Moskau konzentriert sind, sowie bessere Möglichkeiten zur schnellen Skalierung von Kapazitäten, sei es bei der Energieversorgung oder den Kommunikationskanälen. Die physische Zugänglichkeit der Infrastruktur in Moskau ist bei Notfällen ebenfalls ein wichtiger Faktor.

Sergey Brazhnik von Zerocoder University fügt hinzu, dass die Nähe zu wichtigen Verkehrsknotenpunkten und Datenaustauschpunkten in Moskau zu einer verbesserten Latenzzeit (Ping) und damit zu schnelleren Antworten für die Kunden führt. Dies sei entscheidend für den Online-Handel, um Verkaufsverluste durch Netzverzögerungen zu vermeiden. Zudem biete Moskau eine größere Auswahl an modernen Rechenzentrumsanlagen, die Ausfallrisiken minimieren und Skalierungsmöglichkeiten erweitern.

Pivovarov schätzt die Kosten für den Umzug auf mehrere hundert Millionen Rubel, wobei die Ingenieursarbeiten allein Dutzende von Millionen ausmachen könnten. Er hält die Investition jedoch für gerechtfertigt, da ein Rechenzentrum heute mehr als nur eine Rechenplattform sei, sondern ein integraler Bestandteil des operativen Geschäfts. Ein solcher Umzug sei ein logischer Schritt zur Sicherstellung der Resilienz und zur Nutzung eines ökosystemischen Ansatzes, der professionelle Fachkräfte, Dienstleister, Logistik und Skalierbarkeit umfasst.

SDEK betreibt derzeit über 5.300 Ausgabestellen und beschäftigt 5.000 Kuriere, mit einer täglichen Abwicklung von über 350.000 Sendungen. Im Jahr 2025 wurden fast 150 Millionen Pakete versendet, ein Anstieg von 25% gegenüber 2024. Die beliebtesten Kategorien sind Kleidung und Schuhe, Haushaltsgeräte und Elektronik, Schönheit und Pflege, Geschenke und Souvenirs sowie Dokumente. Der Großteil der Sendungen entfiel auf Moskau, was die strategische Bedeutung des neuen Rechenzentrums unterstreicht.

Mehr über SDEK: [https://www.cnews.ru/]