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Thursday, 05 February 2026
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Zivilgesellschaft fordert Schweiz auf, Datenspeicherungsvorschläge aufzugeben: "Verletzung von Grundrechten"

Neue Gesetzesvorschläge könnten VPNs, Messaging-Apps und Soc

Zivilgesellschaft fordert Schweiz auf, Datenspeicherungsvorschläge aufzugeben: "Verletzung von Grundrechten"
Matrix Bot
5 hours ago
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Schweiz - Ekhbary Nachrichtenagentur

Zivilgesellschaft fordert Schweiz auf, Datenspeicherungsvorschläge aufzugeben: "Verletzung von Grundrechten"

In einer deutlichen Warnung vor dem, was sie als Eingriff in digitale Freiheiten betrachten, haben 19 prominente zivilgesellschaftliche Organisationen die Schweizer Regierung dringend aufgefordert, ihre Vorschläge zur Ausweitung der obligatorischen Datenspeicherung sofort aufzugeben. In einem kürzlich veröffentlichten offenen Brief betonten diese Gruppen, dass solche Maßnahmen, wenn sie umgesetzt würden, eine eklatante Verletzung der Grundrechte der Bürger darstellen würden, einschließlich des Rechts auf Privatsphäre und Meinungsfreiheit.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören führende Fürsprecher für digitale Rechte und Menschenrechte, wie Amnesty International Schweiz, European Digital Rights (EDRi), Privacy International und Algorithm Watch. Diese Organisationen haben einen klaren Appell an die Schweizer Gesetzgeber gerichtet, "jegliche Vorschläge" aufzugeben, die weitreichende, pauschale Verpflichtungen zur Datenspeicherung auferlegen, was die digitale Privatsphäre der Nutzer erheblich beeinträchtigen könnte.

Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über die geplante Ausweitung der schweizerischen Überwachungsbefugnisse, die bereits auf erheblichen Widerstand von lokalen Politikern und datenschutzorientierten Technologieunternehmen wie Proton, NymVPN und Threema gestoßen ist. Obwohl diese Spannungen das Bundesparlament kürzlich dazu veranlassten, einer Überarbeitung des Gesetzesentwurfs zuzustimmen, haben unabhängige Experten darauf hingewiesen, dass die Regierung möglicherweise weiterhin eine verstärkte Datenerfassung anstrebt, was anhaltende Bedenken aufwirft.

Historisch gesehen galt die Schweiz lange Zeit als der globale Goldstandard für digitale Privatsphäre, ein Ruf, der zu ihrem Status als sicheres und vertrauenswürdiges Reiseziel beitrug. Dieser Ruf wurde jedoch letztes Jahr in Frage gestellt, als die Regierung einen Gesetzesentwurf zur Änderung ihres Überwachungsgesetzes, bekannt als Verordnung über die Überwachung des Post- und Telekommunikationsverkehrs (VÜPF), vorschlug. Die vorgeschlagenen Änderungen zielen darauf ab, die Überwachungs- und Datenerfassungspflichten – die derzeit für Telekommunikations- und Internetdienstanbieter (ISPs) gelten – auf eine breite neue Kategorie namens "abgeleitete Dienstanbieter" auszudehnen.

Diese neue Kategorie umfasst Dienste wie Virtual Private Networks (VPNs), Instant-Messaging-Anwendungen und Social-Media-Plattformen. Entscheidend ist, dass der Vorschlag diese Unternehmen verpflichten würde, spezifische Metadaten zu sammeln und zu speichern, die zur direkten Identifizierung von Nutzern verwendet werden könnten. Dies würde den Strafverfolgungsbehörden die Möglichkeit geben, Personen, die mit bestimmten Internetverbindungen in Verbindung stehen, rückwirkend zu identifizieren, was tiefgreifende Datenschutzbedenken aufwirft.

European Digital Rights (EDRi) erklärt, dass "solche Überwachungsniveaus in einer demokratischen Gesellschaft inakzeptabel sind und die Rechte der Menschen auf Privatsphäre und Datenschutz ernsthaft beeinträchtigen." Zivilgesellschaftliche Organisationen teilen diese Ansicht und argumentieren in ihrem offenen Brief an das Schweizer Bundesamt für Justiz und Polizei (BJ), dass eine massenhafte Datenspeicherung mit europäischen Rechtsgrundsätzen fundamental unvereinbar ist und die Vertraulichkeit der privaten Kommunikation von Menschen "ernsthaft untergraben" würde.

Diese Bedenken spiegeln frühere Äußerungen von Unternehmen wie NymVPN wider, die die Ausweitung der Überwachung als "Krieg gegen die Online-Anonymität" bezeichneten. Das Problem beschränkt sich nicht auf unmittelbare Datenschutzbedenken; der offene Brief warnt auch davor, dass die vorgeschlagenen Befugnisse einen "abschreckenden Effekt" auf breitere bürgerliche Freiheiten haben könnten, einschließlich Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit. Wenn Bürger wissen, dass ihre Kommunikation und Daten ständiger Überwachung unterliegen könnten, zögern sie möglicherweise, ihre Ansichten auszudrücken oder an Aktivitäten teilzunehmen, die als sensibel angesehen werden könnten.

Über die unmittelbaren Auswirkungen auf die Privatsphäre hinaus schlagen Experten auch Alarm wegen der erheblichen Sicherheitsrisiken, die sich aus der erhöhten Menge der gesammelten Daten ergeben könnten. Je mehr sensible Daten gespeichert werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Datenschutzverletzungen oder Missbrauch. Zivilgesellschaftliche Gruppen sind der Ansicht, dass der vorgeschlagene Schweizer Änderungsantrag den rechtlichen Standards nicht genügt und sowohl die Europäische Menschenrechtskonvention als auch das Schweizer Recht selbst verletzt, was einen Rückschritt im Schutz digitaler Rechte darstellt.

Die anhaltende Debatte um die Datenspeicherungspläne der Schweiz unterstreicht die wachsende globale Herausforderung, die Notwendigkeit von Sicherheit und Strafverfolgung mit dem Schutz individueller Rechte und der digitalen Privatsphäre in Einklang zu bringen. Während Regierungen weltweit bestrebt sind, ihre Instrumente zur Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus zu stärken, betonen zivilgesellschaftliche Organisationen, dass dies ohne Beeinträchtigung demokratischer Grundlagen und grundlegender Menschenrechte geschehen muss.

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