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Thursday, 29 January 2026
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Chinesische Mafia Italien: Blutzoll im Fast-Fashion-Krieg

Chinesische Mafia Italien: Blutzoll im Fast-Fashion-Krieg
Ekhbary Editor
15 hours ago
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Italien - Nachrichtenagentur

Die italienische Hauptstadt Rom wurde im April zum Schauplatz eines brutalen Doppelmordes, der die Aufmerksamkeit erneut auf die Chinesische Mafia Italien lenkte. Zhang Dayong (53) und Gong Xiaoqing (38) wurden vor ihrem Zuhause in Pigneto mit mehreren Kopfschüssen hingerichtet. Der Mörder, der offenbar zu Fuß floh, ist weiterhin auf freiem Fuß, doch die Ermittler sind sich sicher: Dies war ein Mafiamord, der eine tiefergehende Fehde innerhalb der chinesischen Gemeinschaft widerspiegelt.

Seitdem ist die Rolle krimineller Gruppen chinesischer Herkunft in Italien, oft als „mafia cinese“ bezeichnet, wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Der Doppelmord in Rom markiert den traurigen Höhepunkt eines seit Jahren schwelenden und seit 2024 massiv eskalierenden Konflikts, der nicht in Rom, sondern in der toskanischen Stadt Prato seinen Ursprung hat.

Chinesische Mafia Italien: Das Zentrum des Konflikts

Luca Tescaroli, der Chefermittler von Prato, einer mittelalterlichen Stadt mit fast 200.000 Einwohnern, kennt die Entwicklung aus erster Hand. Der ehemalige Antimafia-Staatsanwalt übernahm sein Amt zu einem Zeitpunkt, als der Konflikt in seiner Gerichtsbarkeit förmlich explodierte. Prato ist mit schätzungsweise 32.000 chinesischen Einwohnern das größte Zentrum für Fast Fashion in Europa.

Seit den späten 1990er Jahren siedelten sich tausende Menschen aus der chinesischen Stadt Wenzhou in den leerstehenden Fabriken an. Sie retteten die Stadt vor dem wirtschaftlichen Kollaps und bauten eine milliardenschwere Industrie für schnell gefertigte, preiswerte Kleidung „Made in Italy“ auf. Die Mehrheit der Modeunternehmen ist heute in chinesischem Besitz.

Dieser Reichtum ist nun der Zankapfel eines blutigen Krieges. „Innerhalb der chinesischen Gemeinschaft ist im Juni 2024 ein Konflikt zwischen rivalisierenden kriminellen Unternehmern ausgebrochen, der Morde, Mordversuche, Brandstiftung und Erpressung umfasst“, erklärt Tescaroli. „Der Krieg begann in Prato, hat aber mittlerweile eine nationale und sogar internationale Dimension erreicht.“

  • Der Konflikt eskalierte 2024 mit einer Reihe von Gewaltakten.
  • Zu den Taten gehören Morde, Brandanschläge und Erpressungen.
  • Der Schwerpunkt liegt auf Preiskämpfen im Transport und bei der Herstellung von Kleiderbügeln.
  • Es wird ein paralleles, illegales Geschäftssystem in Prato vermutet.

Einer der in Rom getöteten Männer, Zhang Dayong, lebte bis vor einigen Jahren ebenfalls in Prato. Er galt als rechte Hand von Zhang Naizhong, dem in italienischen Medien als „Boss aller Bosse“ der chinesischen Unterwelt beschriebenen Mann. Zhang Naizhong wurde 2018 wegen des Verdachts verhaftet, Kopf einer mafiösen Organisation zu sein, die vor allem in Italien, aber auch in Frankreich und Deutschland operierte. Die Anklage umfasste Erpressung, Wucher und Drogenhandel.

Obwohl der Hauptprozess gegen Zhang Naizhong und 57 weitere Angeklagte noch nicht begonnen hat, sind der mutmaßliche Boss und seine Verbündeten ins Visier geraten. In den Monaten vor den Morden in Rom gab es zahlreiche gewalttätige Übergriffe und Brandanschläge, die hauptsächlich Logistikunternehmen betrafen, von denen einige mit Zhang in Verbindung gebracht werden.

Die meisten dieser Angriffe ereigneten sich in der Toskana. Im Februar wurden per Fernzündung Brandpakete bei drei Logistikfirmen in Prato und benachbarten Gemeinden detoniert, eine davon ist mit Zhangs Sohn verbunden. Wenige Wochen später kam es zu ähnlichen Bränden bei Paris und Madrid. Die italienische Tageszeitung La Repubblica dokumentierte seit Juni 2024 insgesamt 15 gewalttätige Vorfälle in Prato und angrenzenden Gemeinden.

Die Behörden stehen vor großen Herausforderungen bei der Aufklärung dieser komplexen Machenschaften und der Zerschlagung der chinesischen Mafia-Strukturen, die tief in die legale Wirtschaft eingedrungen sind. Zhang Naizhong schweigt zu den Vorwürfen, seine Anwälte bestreiten jede Beteiligung an dem Mord in Rom.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der italienischen Polizei.