Ekhbary
Monday, 02 February 2026
Breaking

US-Botschafterposten vakant: Eine 'diplomatische Beleidigung' für Australien inmitten angespannter Beziehungen

Der ehemalige stellvertretende Premierminister Tim Fischer k

US-Botschafterposten vakant: Eine 'diplomatische Beleidigung' für Australien inmitten angespannter Beziehungen
Matrix Bot
3 hours ago
4

CANBERRA - Ekhbary Nachrichtenagentur

US-Botschafterposten vakant: Eine 'diplomatische Beleidigung' für Australien inmitten angespannter Beziehungen

Die anhaltende Vakanz eines Botschafters der Vereinigten Staaten in Australien, die sich nun über 18 Monate erstreckt, hat einen diplomatischen Sturm entfacht. Der ehemalige australische stellvertretende Premierminister Tim Fischer bezeichnete die Situation öffentlich als „diplomatische Beleidigung“. In seiner Rede am Mittwoch betonte Fischer, ein angesehener Veteran der australischen Politik, der von 1996 bis 1999 unter dem ehemaligen Premierminister John Howard diente, dass die lange Vakanz Australiens geringere Priorität innerhalb der außenpolitischen Agenda der aktuellen US-Regierung signalisiere. Diese kritische Einschätzung unterstreicht wachsende Ängste in Canberra hinsichtlich des Zustands einer der dauerhaftesten Allianzen Amerikas.

Der Botschafterposten in Canberra ist seit September 2016 vakant, nach dem Rücktritt von John Berry, der während der Obama-Regierung diente. Das Fehlen eines ständigen Gesandten über einen so langen Zeitraum ist ungewöhnlich für einen wichtigen strategischen Partner wie Australien, der traditionell ein Eckpfeiler des US-Einflusses in der indopazifischen Region ist. Fischer nahm kein Blatt vor den Mund und sagte gegenüber Fairfax Media: „Das grenzt jetzt an eine diplomatische Beleidigung. Wir wurden herabgestuft, trotz all der schönen Worte. Wir sind eine geringe Priorität.“ Seine Kommentare spiegeln eine breitere Stimmung unter einigen australischen Beobachtern wider, die eine Abkühlung der bilateralen Beziehungen unter der Trump-Präsidentschaft wahrnehmen.

Einer der Hauptkatalysatoren für diese wahrgenommene diplomatische Abkühlung ist laut Fischer die gut dokumentierte Unzufriedenheit von Präsident Donald Trump mit einem Flüchtlingsumsiedlungsabkommen. Dieses Abkommen, das zwischen seinem Vorgänger Barack Obama und dem australischen Premierminister Malcolm Turnbull ausgehandelt wurde, sah vor, dass die USA bis zu 1.250 Flüchtlinge aus australischen Offshore-Haftzentren aufnehmen sollten. Trump kritisierte das Abkommen bekanntlich als „dumm“ in einem frühen Telefonat mit Turnbull, ein Gespräch, das öffentlich wurde und die ersten Interaktionen zwischen den beiden Führern belastete. Fischer deutet an, dass Trumps anhaltender Groll über dieses Abkommen ein signifikanter Faktor ist, der zur Verzögerung bei der Ernennung eines neuen Botschafters beiträgt und einen strafenden Ansatz gegenüber Canberra signalisiert.

Die US-australische Allianz, geschmiedet im Schmelztiegel des Zweiten Weltkriegs, war historisch durch eine tiefe strategische Ausrichtung, gemeinsame demokratische Werte und eine robuste Verteidigungskooperation gekennzeichnet. Australien war stets ein standhafter Verbündeter in verschiedenen globalen Konflikten, von Vietnam bis zum Irak und Afghanistan. Das Fehlen eines hochrangigen diplomatischen Vertreters schafft daher ein Vakuum, das eine effektive Kommunikation, die Koordination bei kritischen regionalen Fragen und das nuancierte Management bilateraler Beziehungen behindern kann. In einer Zeit zunehmender geopolitischer Konkurrenz im Indopazifik, insbesondere mit dem Aufstieg Chinas, ist die Stärke von Allianzen wie der zwischen Washington und Canberra von größter Bedeutung.

Obwohl Fischers Kritik scharf ist, teilen nicht alle Analysten seine pessimistische Einschätzung. Simon Jackman, Leiter des Zentrums für US-Studien an der Universität Sydney, bietet eine alternative Perspektive. Jackman argumentiert, dass die Verzögerung nicht unbedingt als Affront interpretiert werden sollte, sondern vielmehr als Hinweis darauf, dass die Trump-Regierung die Ernennung „extrem ernst nimmt“. Er schlägt vor, dass das langsame Tempo der Ernennungen auf vielen diplomatischen Posten der USA ein Merkmal der aktuellen Regierung ist, die innenpolitische Themen priorisiert und oft mit den bürokratischen Prozessen zur Besetzung wichtiger Positionen zu kämpfen hatte. Diese Ansicht geht davon aus, dass die Regierung den richtigen Kandidaten sucht, anstatt Australien bewusst zu vernachlässigen.

Tatsächlich konzentrierten sich die Spekulationen lange Zeit auf Admiral Harry Harris, den damaligen Leiter des US-Pazifikkommandos (PACOM), als wahrscheinlichen Kandidaten für die Botschafterrolle. Admiral Harris, eine hoch angesehene Militärperson mit umfassender Erfahrung im Indopazifik, würde dem Posten erhebliches strategisches Gewicht verleihen. Seine potenzielle Ernennung könnte als starkes Signal Washingtons für sein Engagement in der Region und seine Allianz mit Australien angesehen werden, was den Eindruck der Vernachlässigung potenziell entgegenwirken könnte. Zum Zeitpunkt von Fischers Kommentaren gab es jedoch keine offizielle Bestätigung aus dem Weißen Haus, was die diplomatische Gemeinschaft in einen Zustand der Erwartung versetzte.

Die Debatte um die Botschaftervakanz beleuchtet die Komplexität moderner diplomatischer Beziehungen, insbesondere im Kontext einer populistischen US-Präsidentschaft, die zuweilen traditionelle Allianzmuster in Frage gestellt hat. Für Australien, eine Nation, die stark auf ihre Allianz mit den USA für ihre Sicherheitsarchitektur und ihren regionalen Einfluss angewiesen ist, werden die Signale aus Washington genauestens geprüft. Ob die Verzögerung ein bewusster Affront, ein bürokratisches Versehen oder ein Zeichen sorgfältiger Überlegung ist, ihr Einfluss auf die Wahrnehmung der US-australischen Beziehung ist unbestreitbar. Canberra wartet weiterhin auf einen ständigen US-Gesandten und hofft auf eine klare Bestätigung der dauerhaften strategischen Partnerschaft.

Tags: # US Australia flag # diplomatic meeting # handshake # Canberra parliament # White House