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Friday, 30 January 2026
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Frankreich genehmigt Gesetz zur Beendigung der 'Ehepflicht'

Frankreich genehmigt Gesetz zur Beendigung der 'Ehepflicht'
Ekhbary Editor
8 hours ago
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Frankreich - Nachrichtenagentur

Das französische Parlament hat am Mittwoch einstimmig einen Gesetzentwurf zur Beendigung der sogenannten „Ehepflicht“ verabschiedet. Dieser Schritt folgt auf scharfe Kritik von Frauenrechtsgruppen, die argumentierten, dass die bisherige Vorstellung die sexuelle Selbstbestimmung untergrabe und häusliche Vergewaltigung ermögliche. Der von über 120 Abgeordneten unterstützte Text stellt klar, dass das Zusammenleben keine sexuelle Verpflichtung für Ehepartner begründet und wird nun dem Senat zur Genehmigung vorgelegt.

Die Initiative zielt darauf ab, die Rechtslage an moderne gesellschaftliche Normen anzupassen und die Autonomie jedes Partners innerhalb der Ehe zu stärken. Diese Reform ist besonders relevant, da die unklare Formulierung der "Ehepflicht" in der Vergangenheit zu Missverständnissen und sogar zur Legitimierung von sexueller Nötigung in der Ehe geführt hatte. Die Beseitigung dieser rechtlichen Grauzone gilt als wichtiger Fortschritt für die Geschlechtergleichheit.

Historischer Kontext und richterliche Auslegung der Ehepflicht

Der französische Zivilkodex listet traditionell vier Pflichten auf, die mit der Ehe verbunden sind: Treue, Unterstützung, Beistand und eheliches Zusammenleben (Kohabitation). Eine ausdrückliche sexuelle Verpflichtung ist darin jedoch nicht explizit erwähnt. Trotz dieser fehlenden expliziten Nennung interpretierten ältere Gerichtsurteile das Zusammenleben manchmal als implizite „gemeinsame Betten“, was die Vorstellung einer „Ehepflicht“ in der Praxis aufrechterhielt und für juristische Grauzonen sorgte. Diese historischen Interpretationen hatten zur Folge, dass die sexuelle Selbstbestimmung von Ehepartnern, insbesondere von Frauen, in Frage gestellt wurde.

  • Das Gesetz wurde vom Unterhaus der Nationalversammlung einstimmig gebilligt.
  • Es klärt eindeutig, dass Zusammenleben keine sexuelle Verpflichtung für Ehepartner darstellt.
  • Mehr als 120 Abgeordnete aus verschiedenen Parteien unterstützten den parteiübergreifenden Entwurf.
  • Der Gesetzentwurf geht nun an das Oberhaus des Senats zur endgültigen Abstimmung, wo ebenfalls eine breite Zustimmung erwartet wird.

Ein prominenter Fall aus dem Jahr 2019 verdeutlichte die Problematik der bisherigen Rechtslage in drastischer Weise: Ein Mann erhielt in Frankreich die Scheidung, weil seine Frau angeblich aufgehört hatte, mit ihm Sex zu haben. Diese Entscheidung löste eine landesweite Debatte aus und wurde im vergangenen Jahr vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zugunsten der Ex-Frau aufgehoben. Der EGMR urteilte eindeutig, dass eine Frau, die sich weigert, mit ihrem Mann Sex zu haben, von Gerichten im Falle einer Scheidung nicht als „schuldhaft“ angesehen werden sollte. Dieses wegweisende Urteil unterstrich die dringende Notwendigkeit einer klaren rechtlichen Basis für sexuelle Selbstbestimmung und widersprach der überholten Auffassung einer „Ehepflicht“.

Die Entscheidung der französischen Abgeordneten ist Teil einer breiteren und notwendigen Bewegung in Europa zur Stärkung der Rechte von Frauen. Frankreich hat bereits im vergangenen Jahr das Zustimmungsprinzip in die Definition des Verbrechens der Vergewaltigung aufgenommen, ein entscheidender Schritt zur Modernisierung des Sexualstrafrechts. Dies folgte dem Beispiel anderer europäischer Länder wie den Niederlanden, Spanien und Schweden, die ähnliche Reformen zur Stärkung des Opferschutzes und der sexuellen Autonomie eingeführt haben. Die aktuelle Gesetzesänderung fügt sich nahtlos in diese Entwicklung ein.

Frauenrechtsorganisationen begrüßten die Abstimmung als einen entscheidenden Schritt zur Modernisierung des französischen Familienrechts und als Sieg für die Geschlechtergerechtigkeit. Sie betonen, dass die Abschaffung der „Ehepflicht“ nicht nur ein symbolischer Akt ist, sondern eine wichtige rechtliche Klarstellung, die Frauen besser vor Zwang und Gewalt in der Ehe schützt. Diese Neuerung soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung der sexuellen Zustimmung in allen zwischenmenschlichen Beziehungen zu schärfen und die Autonomie jedes Einzelnen zu respektieren.

Die offizielle Billigung des Gesetzes im Senat wird als Formsache erwartet, da der parteiübergreifende Konsens in der Nationalversammlung sehr stark war und die öffentliche Meinung die Reform weitgehend unterstützt. Diese weitreichende Gesetzesänderung markiert einen bedeutenden Fortschritt für die Rechte von Frauen und die zeitgemäße Definition von Ehe im 21. Jahrhundert, indem sie die sexuelle Selbstbestimmung als Grundpfeiler des Zusammenlebens anerkennt.

Nachrichtenagentur