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Sunday, 01 February 2026
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John Bolton: Der „Peak Trump“ ist überschritten – Eine kritische Analyse der US-Politik und internationaler Beziehungen

Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater John Bolton bewer

John Bolton: Der „Peak Trump“ ist überschritten – Eine kritische Analyse der US-Politik und internationaler Beziehungen
Ekhbary Editor
1 day ago
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Deutschland - Ekhbary Nachrichtenagentur

John Bolton: Der „Peak Trump“ ist überschritten – Eine kritische Analyse der US-Politik und internationaler Beziehungen

Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten, John Bolton, eine polarisierende Figur in der amerikanischen Außenpolitik und ein scharfer Kritiker von Donald Trump, hat mit seiner jüngsten Prognose Aufsehen erregt: „Wir haben den Höhepunkt von Trump überschritten.“ Diese Aussage, die im Rahmen eines ausführlichen Interviews mit DER SPIEGEL getroffen wurde, bietet eine tiefgehende Analyse von Trumps anhaltendem Einfluss auf die globale Politik, die komplizierte Ukraine-Krise und die fragile Zukunft der transatlantischen Beziehungen. Boltons Einblicke sind besonders wertvoll, da er sowohl als Insider der republikanischen Elite als auch als ehemaliger hochrangiger Beamter unter Trump fungierte, bevor er sich von ihm distanzierte.

John Bolton, der im Alter von 77 Jahren auf eine Karriere zurückblickt, die ihn unter jeden republikanischen Präsidenten seit Ronald Reagan führte, ist bekannt für seine konservative Haltung und seine Befürwortung militärischer Interventionen. Seine 17-monatige Amtszeit als Nationaler Sicherheitsberater während Trumps erster Präsidentschaft endete abrupt im Streit, ein Zeugnis der tiefen ideologischen und persönlichen Differenzen zwischen den beiden Männern. Diese Erfahrung verleiht seinen aktuellen Kommentaren eine besondere Glaubwürdigkeit und Schärfe, da er die internen Mechanismen und Denkweisen der Trump-Administration aus erster Hand kennt.

Boltons eigene juristische Schwierigkeiten, die Vorwürfe des illegalen Umgangs mit geheimen Dokumenten, die zu einer FBI-Razzia im August und einer anschließenden Anklage führten, fügen seiner Geschichte eine weitere Ebene der Komplexität hinzu. Er interpretiert diese Ereignisse als Teil einer „Vergeltungspräsidentschaft“ Trumps, eine politische Strategie, die er als „Lawfare“ bezeichnet – den missbräuchlichen Einsatz rechtlicher Mittel zur politischen Verfolgung. Bolton räumt ein, dass beide politischen Lager diese Taktik anwenden, betont jedoch, dass Trump sie „auf ein Extrem treibt“, was wiederum einen Rückschlag provoziere. Er korrigiert die Annahme, der Fall sei unter der Biden-Administration begonnen worden, und stellt klar, dass Trump die rechtlichen Schritte bereits 2020 einleitete, um die Veröffentlichung seines Buches zu verhindern. Dieser persönliche Kampf spiegelt die breitere politische Polarisierung in den USA wider und unterstreicht die dramatischen Konsequenzen, die ein offener Widerstand gegen Trump haben kann.

Trumps Ukraine-Politik: Eine „Illusion der Sicherheit“

Ein zentraler Diskussionspunkt des Interviews ist Donald Trumps wiederholtes Bestreben, ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine bis Weihnachten zu erzwingen. Bolton bezeichnet solche Fristen als typische „Trump-Deadlines“, die lediglich dazu dienten, „etwas voranzutreiben“, ohne eine fundierte strategische Grundlage zu besitzen. Er kritisiert scharf die Zugeständnisse, die die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten bereits gemacht haben, als einen „Fehler“. Bolton warnt davor, dass ein solches Abkommen die Russen in zwei oder drei Jahren nicht daran hindern würde, eine „dritte Invasion“ zu starten. Diese strategische Kurzsichtigkeit, so Bolton, werde von Trump, seinem Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nicht erkannt. Ihr primäres Ziel sei ein Deal, dessen Bedingungen zweitrangig seien, solange er rechtzeitig für die Nominierungsfrist des Friedensnobelpreises am 31. Januar abgeschlossen werden könne.

Die Vorstellung, die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine im Austausch für „starke Sicherheitsgarantien“ aufzugeben, hält Bolton für einen schwerwiegenden Fehler und eine „Illusion der Sicherheit“. Angesichts Trumps bekannter Unzuverlässigkeit bezüglich Artikel 5 der NATO – der kollektiven Verteidigungsklausel – sei es naiv, ihm in einem Nicht-NATO-Kontext Sicherheitsgarantien zu vertrauen. Bolton betont, dass es nach einem solchen Abkommen keine amerikanischen Truppen in der Ukraine geben würde, da ihre Präsenz als „Stolperdraht“ für eine direkte amerikanische Beteiligung dienen würde. Er sieht darin eine Schwächung der ukrainischen Position und des gesamten westlichen Bündnisses.

Die Diskussion über territoriale Zugeständnisse an Russland ist für Bolton ebenfalls alarmierend. Er ist überzeugt, dass Russland, sobald es die Kontrolle über 20 Prozent der Ukraine erlangt hat, diese Gebiete niemals zurückgeben wird. Während Präsident Selenskyj und die meisten Europäer diese Realität verstünden, sei Trump diesbezüglich ahnungslos oder gleichgültig. Bolton argumentiert, dass eine Waffenstillstandslinie entlang der aktuellen Frontlinie den Russen einen entscheidenden Vorteil verschaffen würde. Wladimir Putin würde dadurch Zeit gewinnen, um seine Wirtschaft und Armee wiederaufzubauen und die Schwarzmeerflotte zu erneuern – von der bereits ein Drittel auf dem Meeresgrund liege. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, Russland handle gegen seine eigenen Interessen, glaubt Bolton, dass Putin bewusst auf einen Zermürbungskrieg setzt, um die Ukraine langfristig zu zerschlagen.

Interessanterweise glaubt Bolton, dass Putin unter bestimmten Umständen einen Deal akzeptieren würde, der keine vollständige ukrainische Kapitulation beinhaltet. Er habe Trump in der Vergangenheit bereits mehrmals zu weit getrieben und wolle ihn nicht lächerlich machen. Daher gäbe es einen Punkt, an dem Putin Zugeständnisse akzeptieren und einen Waffenstillstand ausnutzen würde, um seine Position zu festigen und sich auf zukünftige Konfrontationen vorzubereiten.

Trumps Affinität zu Putin und die strategische Leere

Boltons Erklärung für Trumps auffällige Nähe zu Wladimir Putin ist tief psychologisch verwurzelt. Trump bewundere und beneide starke, autoritäre Persönlichkeiten wie Putin, Xi Jinping, Recep Tayyip Erdoğan oder Kim Jong Un. Die Russen hätten Trump schon lange als das erkannt, was Lenin einst einen „nützlichen Idioten“ nannte. Putin nutze sein KGB-Training, um die Schwächen seines Ziels zu identifizieren und auszunutzen. Dies zeige sich immer wieder nach Telefonaten mit Putin oder nach Gipfeltreffen, wenn Trump dazu neige, in Richtung der russischen Position abzugleiten. Bolton sieht keine konkreten Beweise für kompromittierendes Material gegen Trump, aber er konstatiert „jede Menge Beweise, dass Trump keine strategische Theorie, keine Philosophie und keine kohärente Politik hat“. Eine solche Person sei prädestiniert, von den Russen manipuliert zu werden, da sie von Deal zu Deal denke, ohne langfristige strategische Vision. In diesem Kontext gebe Russland bei den vorgeschlagenen Deals nichts auf, während der Westen signifikante Zugeständnisse mache.

US-Europa-Beziehungen und die Zukunft der NATO

Die kürzlich veröffentlichte Sicherheitsstrategie des Weißen Hauses, die Europa als Amerikas wahren Gegner darstellt und nicht Russland oder China, bezeichnet Bolton als strategisch rückständig. Er bezweifelt, dass Trump das Dokument überhaupt gelesen hat, da dieser nicht in solchen Begriffen denke. Das Papier wirke eher, als sei es für eine zukünftige JD Vance-Administration geschrieben worden und versuche, den Ereignissen des vergangenen Jahres eine Kohärenz zu verleihen, die in der Realität nicht existiere. Obwohl Bolton selbst ein langjähriger Kritiker der Europäischen Union ist, betont er, dass Europa weiterhin ein Verbündeter der Vereinigten Staaten sei. Auch die Rhetorik über eine „zivilisatorische Auslöschung“ in Europa und mögliche Interventionen zur Installation von Trump-freundlichen Regierungen hält er für substanzlos. Die Europäer müssten dies einfach „aushalten“ und abwarten, wie viele andere Trump-Rhetorik auch, da sie letztlich zu nichts führe.

Die Dominanz der MAGA-Bewegung innerhalb der Republikanischen Partei ist zwar unbestreitbar, doch Bolton ist überzeugt: „Wir haben den Höhepunkt von Trump überschritten. Wir befinden uns jetzt auf dem Abwärtstrend.“ Er verweist auf die Sorgen der Republikaner im Kongress hinsichtlich der Zwischenwahlen im November 2026 und sieht Anzeichen einer Fragmentierung der MAGA-Bewegung sowie Revolten innerhalb der Partei, wie beispielsweise die Weigerung der Republikanischen Partei in Indiana, die Wahlkreise neu einzuteilen. Bolton argumentiert, dass in der zweiten Amtszeit eines jeden Präsidenten ein Punkt erreicht werde, an dem die Menschen erkennen, dass er eine „lahme Ente“ sei, dessen Einfluss abnimmt.

Bolton warnt Europa davor, voreilige und schwer umkehrbare Schlüsse zu ziehen, insbesondere im Hinblick auf die Ukraine. Die Unterstützung für die Ukraine sei im Kongress sehr stark, und es gebe große Bedenken hinsichtlich der Verhandlungen. Obwohl noch dreieinhalb Jahre bis zu einer möglichen nächsten Präsidentschaft Trumps verbleiben, würde die Haltung, alles sei hoffnungslos, den Russen und Chinesen genau das geben, was sie wollen: eine Schwächung des Nordatlantischen Bündnisses, was die Sowjetunion im Kalten Krieg vergeblich versucht habe. Dies würde auch die Befürworter der Ukraine in den USA mundtot machen. Die Lage auf dem Schlachtfeld sei nicht hoffnungslos; die russischen Fortschritte seien mit außerordentlichen menschlichen und materiellen Kosten verbunden, und es sei keineswegs klar, dass sie den erwarteten Durchbruch erzielen würden. Es gehe darum, den Schaden zu begrenzen und die Ukraine weiterhin zu unterstützen.

Umgang mit Trump und die Reparatur des Vertrauens

Die Strategie von Präsident Selenskyj, mit Trump zu verhandeln und die Dinge in die Länge zu ziehen, um Putin die Schuld für ein Scheitern zuzuschieben, hält Bolton für sinnvoll, auch wenn Trump noch nicht bereit sei, „seinen Freund Wlad“ als das eigentliche Problem anzusehen. Es sei wichtig, die Verhandlungen über Weihnachten hinaus zu ziehen und gleichzeitig die militärische Stärkung der Ukraine voranzutreiben. Bolton kritisiert, dass sowohl die Biden-Administration als auch europäische NATO-Mitglieder durch die ständige Angst vor einem größeren Krieg, der seiner Meinung nach nie eintreten werde, der Ukraine fast drei Jahre lang das Notwendige zum Sieg verweigert hätten. Fehler seien vor Trumps Amtsantritt gemacht worden, aber das bedeute nicht, dass das Grundprinzip der Ablehnung unprovozierter Aggression auf dem europäischen Kontinent aufgegeben werden dürfe.

Die Frage, ob das Vertrauen zwischen Europa und den USA repariert werden kann, hängt laut Bolton davon ab, wie tief die Spaltung in den nächsten drei Jahren wird. Wenn Europa die Hoffnung aufgäbe, würde dies zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Das Schlimmste wäre, Trump einen Vorwand zu geben, die NATO zu verlassen, was zu einem gravierenden Problem für die kollektive Sicherheit führen würde. Die Warnungen Boltons unterstreichen die Notwendigkeit einer strategischen Voraussicht und eines entschlossenen Handelns seitens der europäischen Staaten.

Die Möglichkeit, dass JD Vance der nächste US-Präsident werden könnte, sieht Bolton skeptisch. Nur dreimal in der amerikanischen Geschichte seien sitzende Vizepräsidenten Präsident geworden. Trump-Wähler seien wie ein „Personenkult“; sie würden nur für Trump stimmen und nicht für andere Kandidaten. Sie glaubten, er kämpfe für sie, was ihn motiviere und gleichzeitig „gefährlich“ mache. Er könne seine Positionen wechseln, und seine Anhänger würden ihn unterstützen, als hätte er sich nicht gerade selbst widersprochen. Diese Art von bedingungsloser Loyalität könne niemand außer Trump hervorrufen.

Trumps unkonventioneller Stil sei nicht hilfreich, auch wenn manche argumentieren, er habe Europa gezwungen, die Verteidigung ernster zu nehmen. Der Versuch, die NATO ohne die Vereinigten Staaten neu zu schaffen oder innerhalb der Europäischen Union zu konsolidieren, werde nicht funktionieren, da Russland und China dies wüssten und Trump bei der Zerstörung amerikanischer Allianzen ermutigen würden. Boltons Perspektive ist eine ernüchternde Mahnung an die Europäer, die Realität der amerikanischen Politik nüchtern zu betrachten.

Die klügste Strategie im Umgang mit Trump sei, wie der ehemalige japanische Premierminister Shinzō Abe gezeigt habe: ständiger Kontakt, persönliche Besuche, Golf spielen und erst um etwas bitten, wenn es wirklich nötig sei. Auch Boris Johnson, Mark Rutte als NATO-Generalsekretär und der finnische Präsident Alexander Stubb hätten dies gut gemeistert. Friedrich Merz' Äußerungen über europäische Unabhängigkeit hingegen seien kontraproduktiv gewesen, da Trumps Reaktion darauf „gut, seid unabhängig“ sei, was wiederum den Russen in die Hände spiele und die transatlantische Solidarität untergrabe.

Boltons umfassende Analyse, die von seiner einzigartigen Position als ehemaliger Insider und jetziger Kritiker geprägt ist, bietet eine alarmierende Einschätzung der aktuellen politischen Lage in den USA und ihrer tiefgreifenden Auswirkungen auf die Weltbühne. Seine Warnungen vor Trumps strategischer Leere, seiner Manipulierbarkeit durch autoritäre Führer und den potenziellen Konsequenzen für westliche Allianzen sind eine dringende Mahnung an Europa und die internationale Gemeinschaft, sich auf eine unberechenbare Zukunft vorzubereiten und die Prinzipien der liberalen Weltordnung entschlossen zu verteidigen.