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Sunday, 01 February 2026
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Standard & Poor's hebt Ausblick für Italien an: Giorgetti sieht Arbeit belohnt

Rating BBB+ bestätigt, aber die Zukunftsaussichten Italiens

Standard & Poor's hebt Ausblick für Italien an: Giorgetti sieht Arbeit belohnt
Ekhbary Editor
1 day ago
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Berlin, Deutschland - Ekhbary Nachrichtenagentur

Standard & Poor's hebt Ausblick für Italien an: Ein Zeichen für fiskalische Disziplin und verbesserte Wirtschaftsaussichten

Die internationale Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat am Freitag eine bedeutende Neubewertung der italienischen Wirtschaft vorgenommen, indem sie den Ausblick für das Kreditrating des Landes von „stabil“ auf „positiv“ anhob, während das Rating selbst bei „BBB+“ bestätigt wurde. Diese Entscheidung, die von Finanzexperten und politischen Beobachtern gleichermaßen mit Spannung erwartet wurde, sendet ein starkes Signal über das Vertrauen der Agentur in die langfristige wirtschaftliche Stabilität und die fiskalische Konsolidierung Italiens aus. Finanzminister Giancarlo Giorgetti kommentierte die Nachricht umgehend mit den Worten: „Die größere Glaubwürdigkeit Italiens kennt keine Grenzen. Die Arbeit zahlt sich aus“, was die Erleichterung und den Stolz der Regierung über die Anerkennung ihrer Reformbemühungen widerspiegelt.

Die Anhebung des Ausblicks ist nicht nur eine technische Anpassung, sondern spiegelt die Erwartung von S&P wider, dass Italien trotz anhaltender globaler Unsicherheiten im internationalen Handel seine Netto-Gläubigerposition verbessern wird. Dies wird durch einen diversifizierten Privatsektor unterstützt, der weiterhin Leistungsbilanzüberschüsse erzielen soll. Gleichzeitig erwartet die New Yorker Ratingagentur, dass der öffentliche Sektor seine Nettoverschuldung schrittweise reduzieren und die Staatsverschuldung ab 2028 auf einen langsamen Abwärtspfad bringen wird. Diese Prognose basiert auf einer Reihe von fiskalischen Maßnahmen und einer prognostizierten wirtschaftlichen Entwicklung, die auf Nachhaltigkeit abzielt.

Die Rolle des Superbonus und die fiskalische Konsolidierung

Ein zentraler Punkt in der Analyse von S&P ist die Bewertung der Auswirkungen des umstrittenen „Superbonus“. Dieses staatliche Anreizprogramm, das erhebliche Steuervorteile für energetische Sanierungen und strukturelle Verbesserungen von Gebäuden bot, hatte in den letzten Jahren das Staatsbudget stark belastet. S&P stellt fest, dass die mit dem Superbonus verbundenen Barauszahlungen zwar zwischen 2026 und 2028 weiterhin den Cashflow belasten werden, ihr Einfluss jedoch allmählich nachlässt und bis 2028-2029 vollständig verschwinden sollte. Diese Entspannung der fiskalischen Belastung ist ein entscheidender Faktor für die verbesserte Prognose.

Die Agentur prognostiziert, dass das Defizit-BIP-Verhältnis Italiens bis 2026 unter 3% fallen und in den Folgejahren nur geringfügig sinken wird. Ab 2024 soll das Land Primärüberschüsse verzeichnen, was bedeutet, dass die Staatseinnahmen die Ausgaben ohne Berücksichtigung der Zinszahlungen übersteigen. Dies ist ein wichtiges Zeichen für die Haushaltsdisziplin. Trotz dieser positiven Entwicklungen wird die hohe italienische Staatsverschuldung, die für 2025 auf 136% des BIP geschätzt wird, voraussichtlich bis 2027 leicht ansteigen, bevor sie eine allmähliche Reduktionsphase einleitet. Diese Entwicklung erfordert weiterhin eine sorgfältige Haushaltsführung und eine konsequente Umsetzung der Reformen.

Politische Landschaft und Reformpotenzial

S&P berücksichtigt in ihrer Analyse auch die politische Dynamik Italiens. Die Agentur erwartet, dass sich der politische Wettbewerb sowohl innerhalb der Regierungskoalition als auch zwischen den Oppositionsparteien im Vorfeld der Parlamentswahlen im Dezember 2027 intensivieren wird. Dies könnte die politische Ambition und den Umfang wichtiger Strukturreformen einschränken. Die Kommunalwahlen im Jahr 2026 dürften die nationale Politik hingegen nicht wesentlich beeinflussen, so S&P.

Premierministerin Giorgia Meloni hat Änderungen am Wahlrecht angekündigt, darunter einen stärkeren Mehrheitsbonus zur Verbesserung der Regierungsfähigkeit. Die Aussichten auf eine Verabschiedung dieser Reform bleiben jedoch angesichts der begrenzten Unterstützung und der verfassungsrechtlichen Hürden unsicher. Die Fähigkeit der Regierung, trotz dieser politischen Herausforderungen Stabilität und Reformen voranzutreiben, wird entscheidend für die weitere Entwicklung des Ratings sein. Investoren und Märkte beobachten genau, wie Italien die Balance zwischen politischem Konsens und notwendigen strukturellen Anpassungen findet.

Fiskalische Sanierung auf Kurs

Die Haushaltskonsolidierung Italiens ist laut S&P auf einem guten Weg. Die Agentur prognostiziert, dass das Haushaltsdefizit von geschätzten 3,0% des BIP im Jahr 2025 marginal auf 2,9% im Jahr 2026 sinken wird. Dies wird durch eine Kombination von Maßnahmen erreicht, darunter außerordentliche Steuern auf Banken und Versicherungen, eine strengere Anwendung der Mehrwertsteuer sowie Änderungen bei der Besteuerung von Kurzzeitmieten und Regelungen für vermögende Privatpersonen. Diese Einnahmen sollen die Kürzungen der Einkommenssteuern für mittlere Einkommen, die Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitgeber und die Unterstützung niedriger Einkommen weitgehend kompensieren.

Für die Zeit nach 2026 erwartet S&P eine weitere Sanierung, wobei das Haushaltsdefizit bis 2029 auf 2,7% des BIP sinken soll. Diese positive Entwicklung hängt maßgeblich von der konsequenten Umsetzung der angekündigten fiskalischen Maßnahmen und einer stabilen Wirtschaftsentwicklung ab. Die Fähigkeit Italiens, seine öffentlichen Finanzen nachhaltig zu konsolidieren, ist von entscheidender Bedeutung für das Vertrauen der Märkte und die langfristige Stabilität der Eurozone.

Bedeutung des Ratings für die italienische Wirtschaft

Die Anhebung des Ausblicks auf „positiv“ ist für Italien von erheblicher Bedeutung. Ein besseres Rating oder ein positiver Ausblick signalisiert den internationalen Finanzmärkten eine geringere Kreditwürdigkeit und kann zu niedrigeren Kreditkosten für den Staat führen. Dies erleichtert nicht nur die Refinanzierung der Staatsverschuldung, sondern wirkt sich auch positiv auf die Kreditwürdigkeit italienischer Unternehmen aus, was Investitionen und Wirtschaftswachstum fördern kann. Es ist ein Vertrauensbeweis in die Widerstandsfähigkeit der italienischen Wirtschaft und die Fähigkeit der Regierung, die notwendigen Reformen umzusetzen.

Die Entscheidung von S&P unterstreicht, dass die italienische Wirtschaft trotz struktureller Herausforderungen und einer hohen Staatsverschuldung auf dem richtigen Weg ist, um ihre öffentlichen Finanzen zu stabilisieren und ein nachhaltiges Wachstum zu fördern. Die Fortsetzung der fiskalischen Disziplin und die Umsetzung weiterer Strukturreformen werden entscheidend sein, um diesen positiven Trend aufrechtzuerhalten und die Position Italiens in der globalen Wirtschaft weiter zu stärken. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Italien die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen meistern und den Weg zu einer noch solideren wirtschaftlichen Zukunft ebnen kann.